Höhepunkte der Ausstellung
Herzog Karl der Kühne von Burgund (1433-1477)
Das Bildnis Karls des Kühnen stammt aus einer Serie von Porträts der burgundischen Herzöge. Es folgt als spätere Replik dem berühmten Vorbild jenes Bildnisses, das der niederländische Maler Rogier van der Weyden (um 1400-1464) um 1460 von dem knapp 30jährigen Karl angefertigt hatte, als dieser noch Graf von Charolais war. Die Inschrift nimmt hier bereits auf seinen Titel als Herzog von Burgund Bezug, den er erst ab 1467, das heißt nach dem Tod seines Vaters, Herzog Philipp dem Guten, führen konnte. Zweifellos entstand die Replik im Kontext habsburgischer Erinnerungskultur, die der wichtigen Rolle der burgundischen Herzöge im Zusammenhang mit dem Aufstieg des Hauses Habsburg zur Weltmacht immer wieder entsprechenden Raum gab.
Reliquiar Karls des Kühnen
Karl der Kühne stiftete diese kostbare Gruppe 1471 der Kathedrale von Lüttich. Damit setzte er nicht nur seine Frömmigkeit, sondern auch seinen Status als gottgewollter Schutzherr der von ihm unterworfenen Stadt nachdrücklich ins Bild. Empfohlen von seinem persönlichen Schutzpatron, dem hl. Georg, präsentiert der kniende Herzog die Fingerreliquie des hl. Lambertus. Die Ähnlichkeit zwischen dem Fürsten und dem Heiligen in Aussehen und Rüstung ist beabsichtigt. Gerard Loyet schuf mehrerer derartiger Bildnisse für Karl. Erhalten blieb nur jenes in Lüttich. Ihm kommt heute eine Sonderstellung als einer der bedeutendsten Goldschmiedeplastiken des europäischen Spätmittelalters zu.
„Burgundischer Hofbecher“
Beim diesem Prunkpokal handelt es sich um eines der großen Meisterwerke burgundischer Hofkunst. Becher, Deckel und Fuß bestehen aus klarem, meisterhaft geschliffenem Bergkristall. Eine raffinierte Goldmontierung fügt die einzelnen Teile zum Ganzen und verleiht dem Pokal seinen eleganten Umriß, der im Knauf mit den fontänengleich sprühenden und glitzernden Perlen kulminiert. Die Goldfassung zeigt die persönlichen Embleme Herzog Philipps des Guten, nämlich Feuereisen und funkensprühenden Feuerstein, sowie das verdoppelte „e“. Auf dem Sockel- und Deckelstreifen füllen gebündelte Perlen alternierend mit Juwelen die Zwischenräume, wobei eine für diese Zeit neuartige Diamantenschliff-Konfiguration die heraldische Lilie des Hauses Valois, die jeweils aus fünf Diamanten zusammengesetzt ist, bildet.
Der „Burgundische Hofbecher“ gelangte aus dem Nachlaß Karls des Kühnen in den Besitz der französischen Krone. König Karl IX. schenkte ihn 1570 Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, der den französischen König bei dessen Eheschließung mit einer österreichischen Erzherzogin vertreten hatte.
Maria, Herzogin von Burgund (1457 – 1482)
Maria von Burgund, Tochter und Erbin Herzog Karls des Kühnen, wurde im Jahr 1477 mit dem einzigen Sohn Kaiser Friedrichs III., Maximilian, vermählt. Diese Ehe, die im Zusammenhang mit den Bemühungen der Herzöge von Burgund, für ihr Haus die Königswürde zu erlangen, seit 1463 mit Friedrich III. verhandelt worden war, sicherte über den erstgeborenen Sohn Philipp (1478–1506) das burgundische Erbe für die Habsburger. Bereits 1482 kam Maria bei einem Jagdunfall ums Leben, die Erinnerung an sie hielt der später noch einmal vermählte Kaiser jedoch zeitlebens lebendig. So dürfte auch dieses Bildnis Marias, das sie im strengen Profil und mit der für ihre Zeit charakteristischen hohen Haube mit langem Schleier, dem „Hennin“, zeigt, nach ihrem Tode entstanden sein. Vom Bildnis der Herzogin von Burgund sind weitere Fassungen und Varianten bekannt.
Tausendblumen-Tapisserie
Ein floraler Grund, der sinnbildlich als blühendes Burgunderreich zu verstehen ist, kennzeichnet diese aus besonders feinem Garn gefertigte Tapisserie. Im Zentrum des Blütenmeers stehen Wappen und Embleme Philipps des Guten. Helm- und Helmzier bekrönen das burgundische Wappen. Um den Schild liegt die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies. Der Feuerstahl mit Stein und Funken steht als Bilddevise für die Tatkraft des Herzogs. Das doppelte „e“ im Liebesknoten ist nicht abschliessend gedeutet.
Die Tapisserie ist die einzig erhaltene aus einer Folge von acht gleichartigen Wandbehängen, die ehemals einen Raum im Palast Herzog Philipps des Guten in Brüssel schmückte. Nach dem Tod des Herzogs dienten die Behänge auch seinem Sohn Karl dem Kühnen als Dekor für seine Räume.
Männerrock
Die burgundischen Herzöge hatten im 15. Jahrhundert bei der Entwicklung eleganter Moden eine Vorreiterfunktion. Dieser Männerrock ist ein seltenes Zeugnis der weltlichen Mode im Spätmittelalter. Er musste entlang des Schlitzes an der rückwärtigen Seite von einem Diener zugeschnürt werden, ein Zeichen adeliger Lebensführung. In späterer Zeit wurde der Rock stärker tailliert und die Form der Ärmel verändert.
Kasel vom Ornat des Ordens vom Goldenen Vlies
Die Kasel ist Bestandteil jenes Ornats, der wahrscheinlich am St. Andreastag (30. November), dem höchsten Festtag des Ordens vom Goldenen Vlies, während der feierlichen Hochämter zum Einsatz kam. Möglicherweise gab Herzog Philipp der Gute selbst den Ornat in Auftrag, der in der Wiener Schatzkammer präsentiert wird.
Das hier gezeigte, aufwendig mit Gold- und Seidenfäden bestickte Gewand des Priesters trägt auf der rückwärtigen, den Gläubigen zugewandten Seite im Kaselkreuz die Verklärung Christi am Berg Tabor. Die Vorderseite ist der Taufe Jesu gewidmet. Als Entwurfszeichner werden zwei der bedeutendsten Vertreter der altniederländischen Malerei diskutiert, der Meister von Flémalle (tätig zwischen 1410 und 1440) und Rogier van der Weyden (1399/1400–1464).
Triumphzug nach Rom, Caesars Ermordung
Tapisserien spiegeln wie kaum ein zweites künstlerisches Medium das höfisch-aristokratische Standesbewusstsein dieser Zeit. Im monumentalen Format werden historische Stoffe zu figurenreichen Spiegelbildern der Lebenswelt am burgundischen Hof.
Der vorliegende Wandbehang gehört zu einer insgesamt vierteiligen Serie mit der Darstellung der Taten Cäsars. Der Einzug Cäsars in Rom ist wie eine „Joyeuse entrée“, ein feierlicher Stadteinzug, gestaltet. Das historische Geschehen geht hier völlig in der burgundischen Festpraxis auf. Cäsar wird in einer Sänfte getragen und von Musikern begleitet. Die Pferde, die die Sänfte tragen, sind als Elefanten maskiert. Im rechten Bildfeld thront Cäsar, der kommende Mord ist durch die gezückten Dolche seiner Gegner schon angedeutet. Die Darstellung unterblieb jedoch, wohl um den in den Inschriften gepriesenen Heldenmut Cäsars nicht zu konterkarieren.
Rosszeug und Reiterrüstung
Prunkrüstungen für Pferd und Reiter dienten der Repräsentation des Herrschers bei Zeremonien, Festivitäten und Kriegszügen. Der schwere Pferdepanzer wurde für Kaiser Friedrich III. anlässlich des Krieges zwischen Burgund, Lothringen und den Eidgenossen 1476/77 geschaffen. Ein getriebener Doppeladler sowie der rot-weiß-rote Bindenschild schmücken das Flankenblech. Die Reiterrüstung entstand später. Sie setzt sich aus Teilen verschiedener Rüstungen Kaiser Maximilians I. zusammen.
Büste Kaiser Karls V.
Kaiser Karl V. (1500-1558) erhielt den Taufnamen nach seinem Urgroßvater Karl dem Kühnen. Am Hofe seiner Tante Margarete, der Statthalterin der Niederlande, erhielt er eine Erziehung, die ganz im Zeichen spätmittelalterlich-burgundischer Ideale stand. Das burgundische Erbe, das er nach seinem Vater, Philipp dem Schönen, antrat, trug wesentlich dazu bei, dass in seinem Reich "die Sonne nie unterging".